Schinder-Trail Prison Break

Schinder-Trail Prison Break
Schinder-Trail Prison Break

Die wichtigsten Statistiken zu meinem Lauffeuer:

  • 140 Kilometer 
  • 115 Kilometer Luftlinie (Wertung) 
  • 1900 Höhenmeter 
  • 3. Gesamtplatz
Racebriefing Schinder-Trail Prison Break

Laufe so weit es geht: Prison Break 2023

Am 7.7.2003 habe ich am Schinder-Trail Prison Break teilgenommen. Der Prison Break ist ein sogenannter „Escape Run“, der zum ersten Mal in Deutschland in dieser Form durchgeführt wurde. In England ist dieses Format schon länger bekannt. Ziel des Laufes ist es, vom Start weg „auszubrechen“ und nach freier Routenwahl so weit wie möglich innerhalb von 24 oder 48 Stunden vom Startpunkt weg zu kommen. Ich habe mich für die 24 Stunden entschieden. Die Strecke wird mit einem GPS-Tracker und der eigenen Uhr dokumentiert. Gewertet wird die direkte Entfernung also die Luftlinie. Support und Crewing auf der Strecke ist erlaubt.

Planung: Welche Strecke ist perfekt?

Der Prison Break startet auf dem Grauen Kopf, einem Berg bei Holzhausen im Rhein-Lahn Kreis. Als ich das erste Mal über die Teilnahme nachdachte, war klar: Von dort laufe ich zu meinem zu Hause nach Bad Hersfeld! Auf Google Maps mit Autoprofil ist die Strecke ca. 180 km lang. Nach der Anmeldung ging die konkrete Planung los. Ich habe verschiedene Routenplaner und Navigationsprofile ausprobiert, um die ideale Laufstrecke nach Bad Hersfeld zu finden. Meine Anforderungen an die Strecke waren: 

  • möglichst direkt 
  • möglichst wenig Höhenmeter 
  • die Strecke sollte möglichst gut zu Fuß oder mit dem Fahrrad zu bewältigen sein 
  • nicht zu viel Autoverkehr 

Meine beiden Söhne wollten mich (zumindest teilweise) mit dem Fahrrad begleiten, deshalb sollte die Strecke auch mit dem Rad gut zu fahren sein. Nachdem ich mit Komoot, Strava und BRouter verschiedene Strecken durchgespielt hatte, stand die Route schließlich fest: 177 km, ca. 2000 Höhenmeter und hoffentlich gut befahrbare Wege. 

Support is King!

Da Support bei diesem Rennformat erlaubt ist, hat meine Frau die komplette Strecke mit unserem Camper gecovert und meine beiden Söhne haben mich streckenweise mit dem Fahrrad begleitet. Kind 1 fuhr die ersten und letzten 50 Kilometer komplett mit dem Rad mit, Kind 2 ca. 15 Kilometer. Das war wirklich toll, denn so musste ich wenig tragen und konnte die gesamte Verpflegung und Ausrüstung auf dem Fahrrad transportieren lassen. 

Die Unterstützung durch meine Frau mit dem Auto haben wir in der Nacht sehr großzügig geplant: ca. alle 30-40 km. Tagsüber haben wir aufgrund der hohen Temperaturen von bis zu 34° die Verpflegungspunkte alle 8-15 km eingeplant.

Ausrüstung & Verpflegung:

Gelaufen bin ich mit zwei paar Schuhen, dem Hoka Bondi X und dem Altra Torin. Ich hatte zwei Sätze Klamotten dabei. Gerade wenn man stark verschwitzt ist, macht es Sinn diese wechseln zu können.

Der Bucket Hat von Fractel Running hat bei der massiven Sonneneinstrahlung auch sehr gut geholfen. Sonnenbrille und Sonnencreme sind ebenfalls wichtig. Ein leichtes Singlet von FAR war angesichts der Temperaturen auch sehr gut. Ansonsten alle anderen Ausrüstungsgegenstände für einen Ultra (siehe hier)!

Verpflegt habe ich mich nach meinem bewährten Prinzip: Die Basis Abdeckung an Kohlenhydraten kommt über Tailwind, zusätzlich alles vorauf ich Lust habe. In diesem Fall: Melone, Brötchen, Süße Teile, Salzstangen, Gummibärchen, 2 Gele, Nüsse.

Schinder-Trail Prison Break
Schinder-Trail Prison Break

Rennverlauf Prison Break:

Der Ablauf dieses speziellen Rennformats ist gewöhnungsbedürftig: Gleich nach dem Start zerstreut sich das Läuferfeld in verschiedene Richtungen. 

Für mich lief es anfangs sehr gut. Ich habe darauf geachtet, nicht zu überpacen und regelmäßig Pausen zu machen. Als die Nacht voranschritt, ab ca. 2 Uhr nachts (bei ca. Kilometer 70), wurde ich sehr müde. Ich hatte den ganzen Tag gearbeitet und bin dann zum Rennen gefahren. Das würde ich so nicht mehr machen. Also habe ich mich am nächsten VP zu meiner Familie in den Camper gelegt und zwei Stunden geschlafen. 

Danach ging es mir deutlich besser und ich konnte das Rennen fortsetzen. Es lief wieder gut, lediglich die hohen Temperaturen mit bis zu 34 Grad sorgten im weiteren Verlauf des Tages für erschwerte Bedingungen . Im Laufe der nächsten Stunden wurde jedoch klar, dass mein geplantes Ziel, bis Bad Hersfeld zu laufen, außer Reichweite war. Im Nachhinein war dieses Ziel bei meinem Trainingsstand wohl etwas zu hoch gesteckt 😉 

Trotzdem hieß es weiterlaufen und mit genügend Pausen Kilometer machen. 

Am schlimmsten war das Anlaufen nach den Pausen im Sitzen oder Liegen. Gegen Ende der 24 Stunden fiel es mir extrem schwer, nach den Pausen wieder ins Laufen zu kommen. Teilweise habe ich bis zu einem Kilometer gebraucht, um wieder einen „richtigen“ Laufstil zu finden. Das kannte ich aus meiner bisherigen Laufkarriere nicht. Auch bei den 100 Meilen im Backyard hatte ich das nicht so schlimm und kann es mir auch nicht so richtig erklären.

Zusammenfassung und Fazit zum Rennformat „Escape Run“

Ein spannendes Format, welches von guter Vorbereitung und einer guten Crew profitiert. Der Erfolg bei diesem speziellen Format hängt meiner Meinung nach sehr stark von mentalen Faktoren ab, ich war zum Beispiel ab Kilometer 3 komplett alleine unterwegs. Das bedeutet, dass man die restlichen Kilometer komplett auf sich alleine gestellt ist und niemanden hat, an dem man sich orientieren oder motivieren kann. Anders ausgedrückt, es gibt keine anderen Läufer:innen, keine Verpflegungspunkte, keine Helfer, keine Zuschauer, keine Markierungen zum Streckenverlauf und kein definiertes Kilometerziel. Deshalb ist eine gute und verlässliche Crew sehr wichtig.

Die Unterstützung meiner Familie hat mir deshalb auf jeden Fall sehr geholfen. Ich weiß nicht, wie das Rennen verlaufen wäre, wenn ich die Strecke alleine hätte laufen müssen. 

Vielen Dank an diese sportbegeisterte Familie für den Support!

Nachtrag: Mittlerweile wurden die Laufstrecken der Teilnehmer auch auf ihre Effizienz hin ausgewertet. Dies finde ich sehr spannend, da ja nur die direkte Luftlinie gewertet wird. So kommt der Gewinner der 24 H auf eine Effizienz von 84,1 und ich auf eine Effizienz von 82,9. Andere Teilnehmer:innen schnitten allerdings noch deutlich schlechter ab (z.B. 68,9). Die Auswertung der Effizienz von Rennveranstalter habe ich hier verlinkt

Hier der Link zu meinem Lauf auf Strava



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