Rennsteig runter und Werratal zurück – ein perfektes Gravel Wochenende

Am Wochenende vom 16. und 17. Mai 2026 haben meine Frau Mareika und ich etwas zu Ende gebracht. Genauer gesagt: einen Punkt auf einer ganz persönlichen Liste abgehakt. Aber dazu gleich mehr.

Auf dem Plan stand eine Tour mit den Gravel Bikes, die wir schon länger geplant hatten: ein Loop ab Gerstungen, einmal hoch auf den Rennsteig, dort am ersten Tag den Rennsteig entlang bis Neustadt am Rennsteig, am zweiten Tag über Masserberg zur Werraquelle und von dort den Werratalradweg zurück. Am Ende standen 240 Kilometer und rund 3.000 Höhenmeter auf der Uhr. Die Jungs hatten an dem Wochenende eigene Pläne, also waren wir zu zweit unterwegs. Auch schön. 😇

Rennsteig Radweg Gravel

Diese Runde war auch der erste richtige Härtetest für mein neu aufgebautes Gravelbike, das ich kurz vorher fertig gestellt hatte: ein Custom China Build mit Airwolf-Rahmen, EliteWheels Felgen und Shimano GRX. Bis dahin hatte das Bike rund 300 Kilometer auf der Uhr, aber noch nichts in dieser Größenordnung und vor allem nicht mit Gepäck für eine Übernachtung. Spoiler: Es hat sich gut geschlagen. Das 1×12-Setup mit 42er Kettenblatt und 10–51er Kassette war für die Rampen auf dem Rennsteig aber auch auf den flachen Passagen auf dem Radweg Gold wert. Den Beitrag zum Aufbau des Bikes gibt es hier.

Rennsteig Radweg Gravel
Rennsteig Radweg Gravel

Ein bisschen Historie

Der Rennsteig ist einer der ältesten und bekanntesten Höhenwege Deutschlands. Über 170 Kilometer Kammlinie durch den Thüringer Wald, urkundlich erwähnt schon im Mittelalter. Über Jahrhunderte war er Grenzlinie – mal zwischen Herrschaftsgebieten, mal zwischen Sprachräumen, mal zwischen Konfessionen. Heute kennt ihn jeder als Wanderweg. Der Rennsteigradweg übersetzt diese Höhenroute in eine fahrbare Variante, weitgehend parallel zum Wanderpfad.

Eine kleine persönliche Randnotiz zum Rennsteig: Alle hier mitlesenden UltratrailläuferInen kennen wahrscheinlich auch den Rennsteiglauf. Am 18. Mai 2019 bin ich den Rennsteig Supermarathon gelaufen: 73,9 Kilometer von Eisenach nach Schmiedefeld, gefinisht in 6:36h. Seitdem hat mich der Rennsteig als Lauf Event allerdings nicht mehr richtig gereizt. Mein Fokus hat sich klar in Richtung etwas technischer und alpinerer Ultratrails verschoben. Witzigerweise lag unsere Gravel-Tour fast auf den Tag genau sieben Jahre nach dem Supermarathon. Den Höhenweg mit dem Rad aus zu erleben, war eine schöne neue Perspektive auf eine Strecke, die ich bisher nur zu Fuß kannte und ja, mit dem Bike kommt man dann doch ein bisschen schneller voran. 😉

Die Werra ist einer der beiden Quellflüsse der Weser. Bei Hann. Münden trifft sie auf die Fulda – und ab dort ist es die Weser. Wer also Werra (und Fulda) plus Weser komplett gefahren ist, hat eine durchgehende Linie quer durch Mittel- und Norddeutschland bis ans Meer. Soviel zu unsere Mission.

Rennsteig Radweg Gravel
Schnee auf dem Rennsteig im Mai

Tag 1: Rauf auf den Kamm des Rennsteigs

Gestartet sind wir in Gerstungen, der Einstieg auf den Rennsteig erfolgte an der Hohen Sonne. Von dort ging es den Rennsteigradweg entlang bis nach Neustadt am Rennsteig – ziemlich genau 100 Kilometer und knapp 2.000 Höhenmeter.

Wettertechnisch war es oben auf der Höhe richtig frisch. An einigen Stellen lag noch Schnee bzw. Hagel im Wald. Handschuhe und Überschuhe waren über weite Teile des Tages Pflicht, dazu kamen ein paar kurze Schauer, sodass auch die Regenklamotten obligatorisch waren. Der Rennsteig verläuft eben fast durchgängig oben auf dem Kamm. Da gibt’s wenig, was den Wind bremst.

Was den Weg selbst angeht: Der Rennsteigradweg hat mich richtig positiv überrascht. Klar, es geht ständig hoch und runter, die 2.000 Höhenmeter kommen nicht von ungefähr. Der Untergrund ist eigentlich perfekt fürs Gravelbike. Alles gut fahrbar und nicht so technisch anspruchsvoll. Wer einen Tipp für eine Gravel Tour im Mittelgebirge sucht: dort hin. Kriegt von mir eine absolute Empfehlung.

Übernachtet haben wir im Hotel Kammweg in Neustadt am Rennsteig, mit Halbpension. Heißt: abends ein reichhaltiges Buffet, an dem wir die Kohlenhydratspeicher in Ruhe wieder auffüllen konnten, und morgens ein Frühstücksbuffet, das uns gut genährt in den zweiten Tag geschickt hat. Genau das, was man nach so einer Etappe braucht.

Hotel am Kammweg Rennsteig Radweg
Hotel am Kammweg Rennsteig Radweg

Tag 2: Werraquelle und zurück ins Tal

Sonntag früh ging es weiter über Masserberg in Richtung Werraquelle. Und damit zum eigentlichen Grund, warum dieses Wochenende für uns einen besonderen Stempel hatte.

Abgehakt: Mit diesem letzten Stückchen Werratalradweg von der Quelle bis zurück nach Gerstungen haben wir jetzt den kompletten Werratalradweg und auch den kompletten Weserradweg abgefahren. Heißt: von der Werraquelle bis zur Mündung der Weser in die Nordsee. Aufgebaut hat sich das über die letzten Jahre in Etappen, einige davon als Familientouren mit den Kids. Mit kleinerer Kids bieten sich Flussradwege einfach an. Eine der schönsten Touren war übrigens unsere spontane Werra-Fulda-Bikepacking-Runde, bei der wir ab Bad Hersfeld die Werra hinunter und die Fulda wieder hinauf gefahren sind.

Werraquelle Werratal Radweg
Werraquelle Werratal Radweg

Der zweite Tag war das genaue Gegenstück zum ersten: deutlich flacher, im Tal entlang, kaum Höhenmeter (ca. 700hm). Dafür länger, am Ende knapp 140 Kilometer. Das Wetter war auch besser, die Sonne kam raus, und im Tal ist man ohnehin weniger ausgesetzt als oben am Kamm. Dafür gab’s neben sonnigen Abschnitten eine andere schöne Begleitererscheinung beim Rad fahren: fast den ganzen Tag Gegenwind. Auf dem flachen Werratalradweg merkt man sowas dann leider doch auch deutlich.

Werratal Radweg
Blick auf den Thüringer Wald und den Rennsteig

Schön war auch: Vom Werratalradweg aus hat man den Rennsteig immer wieder im Blick. Der Kammzug zieht sich als klare Linie über dem Tal. Man fährt dort und denkt sich: „Da oben sind wir vor ein paar Stunden erst entlang gefahren.“

Custom Gravel Build
Custom Gravel Build

Wie sich das neue Bike geschlagen hat

Kurz zurück zum Bike. Nach 240 Kilometern, 3.000 Höhenmetern, Regen, Kälte, Gegenwind und der vollen Bikepacking Beladung kann ich sagen: Der Custom Build hat sich genau so geschlagen, wie ich es mir erhofft hatte. Die 45 mm Reifen waren auf dem Rennsteig komfortabel, die Übersetzung passte für die Rampen, und das Staufach im Unterrohr ist eines dieser Details, das man nicht mehr missen will. Der erste richtige Härtetest ist damit absolviert. Jetzt geht’s weiter in den Langzeittest.

Werratal Radweg
Werratal Radweg

Was bleibt

Eine richtig schöne, in sich schlüssige Runde: einmal über den Rennsteig und durch das Tal zurück.

Und ein kurzes offenes Stück bleibt uns auch noch: Auf dem Fuldatalradweg fehlt das Teilstück von der Fuldaquelle bis nach Fulda. Das werden wir wohl demnächst auch noch schließen müssen. 😉

Weiterführende Links:


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