Custom China Build: The Best Gravel-Bang-for-the-Buck

Airwolf Frame & EliteWheels Setup

Gravelbikes sind in den letzten Jahren immer leichter, schneller und gleichzeitig deutlich teurer geworden. Wer heute ein sportliches Carbon Gravelbike mit guter Ausstattung kaufen möchte, landet schnell bei Preisen von 4.000 € oder deutlich darüber.

Custom Gravel Build
Custom China Gravel Build

Auf der Suche nach einem geeigneten neuen Bike bin ich im Internet falsch abgebogen. Oder vielleicht auch genau richtig? Ich bin in die Internetbubble der sogenannten „China-Builds“ abgebogen. Danke YouTube, Reddit etc. 😉 Dabei werden Rahmen und viele Komponenten direkt bei Herstellern oder Händlern (wie beispielsweise Aliexpress) aus Fernost geordert und komplett selbst aufgebaut.

Genau das habe ich auch gemacht. Mein Ziel war relativ klar definiert: Ein leichtes Gravelbike selbst aufbauen.

Das Ergebnis: ein individuell aufgebautes Gravelbike mit rund 8,5 kg Gewicht, inklusive Pedale und Getränkehalter, bei etwa 2200 € Gesamtkosten.

Custom Gravel Build
Custom Gravel Build

Warum ein Custom China Gravel Build? Meine Motivation

Meine Faszination für Fahrräder begann schon deutlich früher. Schon als Jugendlicher habe ich gerne an Fahrrädern geschraubt. In unserem Schuppen hinter meinem Elternhaus hatte ich damals sogar eine kleine improvisierte Fahrradwerkstatt eingerichtet. Dort wurden alte Räder zerlegt, wieder zusammengebaut, Teile getauscht und neue Kombinationen ausprobiert.

Was ich bisher allerdings noch nie gemacht habe: ein komplettes Fahrrad von Grund auf neu aufzubauen. Also nicht nur Komponenten wechseln, sondern wirklich jedes einzelne Teil selbst auswählen und daraus ein komplettes Bike entstehen lassen. Dadurch ist ein deutlich individuelleres Bike möglich als von einem Hersteller von der Stange. So konnte ich auch die Lackierung meines Rahmens frei wählen.

Genau das hat mich gereizt.

Dazu kommt noch, dass sich in den letzten Jahren rund um die sogenannten „China-Builds“ eine richtige Szene entwickelt hat. In Foren, auf Reddit oder YouTube findet man genügend Bike Nerds, die ihre Räder mit Rahmen und Komponenten direkt aus China aufbauen.

Der Grund dafür ist relativ einfach und einleuchtend: Die Qualität der Rahmen und Teile ist in den letzten Jahren deutlich besser geworden, während die Preise sehr attraktiv sind. Kennt man aus der Automobilbranche.

Der Rahmen: Airwolf YF-R003 Carbon Gravel Frame

Das Herzstück jedes Fahrrades ist natürlich der Rahmen. Für mein Projekt fiel die Wahl auf den Airwolf YF-R003 Gravelrahmen aus T1000-Carbon. Hierbei handelt es sich um einen sogenannten „Open-Mold“ Rahmen. Das bedeutet, dass der Rahmen nicht exklusiv für eine bestimmte Marke produziert wird, sondern von verschiedenen Herstellern angeboten wird.

Ich habe mich für diesen Rahmen entschieden da er einige mir wichtige Features mitbringt:

  • T1000 Carbon
  • UDH Schaltauge (Universal Derailleur Hanger)
  • Flat Mount Bremsaufnahme
  • interne, cleane Zugverlegung
  • Reifenfreiheit bis 700 × 50C
  • Staufach im Unterrohr
  • viele Anschraubpunkte für Taschen, Schutzbleche oder Gepäckträger
  • 27,2 mm Sattelstütze
  • individuelle Lackierung

Gerade die große Reifenfreiheit war mir wichtig. Damit bleibt das Bike flexibel, vom schnellen Gravelreifen bis zum komfortablen Bikepacking Setup. Praktisch war auch, dass das Rahmenset bereits mit einigen Teilen geliefert wurde:

  • Carbon Gabel
  • Carbon Cockpit
  • Steuersatz
  • Carbon Sattelstütze

Qualität und Liefererfahrung des Rahmens

Der Versand des Rahmensets hat von allen Komponenten am längsten gedauert, was aber seinen guten Grund hatte: Mein Rahmen wurde individuell in meiner Wunschfarbe lackiert, allein dieser Prozess nahm rund zwei Wochen in Anspruch. Der anschließende Versand dauerte noch einmal etwa 14 Tage, sodass ich insgesamt rund vier Wochen auf meinen Rahmen gewartet habe.

Was mich wirklich positiv überrascht hat, war der außergewöhnliche Service des Herstellers. Kurz nach der Bestellung meldete sich der Verkäufer per WhatsApp mit gezielten Rückfragen zu meiner Bestellung: Ob ich mit den Maßen des Cockpits sicher sei, wie genau meine Farbwünsche aussähen, ob alle Details stimmen würden. Diese persönliche Abstimmung hat mir wirklich überrascht. Nach etwa zwei Wochen schickte der Hersteller mir sogar Fotos des fertig lackierten Rahmens, noch bevor er in den Versand ging. Diesen Service hatte ich so nicht erwartet. Der Kontakt über WhatsApp war dabei durchgehend unkompliziert und schnell.

Auch die Qualität des Rahmens konnte mich vollkommen überzeugen. Beim Aufbau zeigte sich, dass sämtliche Maße exakt waren: Die Lager des Trettlagers passten auf Anhieb perfekt, und auch die Flat-Mount Aufnahmen für die Bremsen saßen so präzise, dass keinerlei Nacharbeit nötig war. An diesem Punkt war ich vorher tatsächlich am skeptischsten und hatte mit Qualitätseinbußen gerechnet. Diese Befürchtung hat sich aber nicht bestätigt.

Auch die Lackierung ist gut. Das glänzende Orange, das ich mir ausgesucht hatte, kommt richtig schön zur Geltung und gibt dem Rahmen einen eigenen Charakter, fernab vom typischen mattschwarzen Carbon Look, den man inzwischen an jedem zweiten Bike sieht.

Fazit zur Lieferung und Qualität: Wer etwas Geduld mitbringt, wird mit einem Rahmen belohnt, der auf die eigenen Wünsche zugeschnitten ist und dafür wenig Geld kostet.

Integriertes Carbon Cockpit

Cockpit Airwolf YF-R003 Carbon Gravel Frame
Cockpit Airwolf YF-R003 Carbon Gravel Frame

Für eine möglichst cleane Optik habe ich mich für ein integriertes Cockpit entschieden. Zum Einsatz kommt das Airwolf HB009 Carbon Cockpit, also eine kombinierte Einheit aus Vorbau und Lenker, ebenfalls aus Carbon. Die Brems- und Schaltzüge laufen direkt durch Lenker und Vorbau in den Rahmen. Dadurch entsteht eine sehr aufgeräumte Front. Bei meinem gekauften Rahmenset war das Cockpit mit dabei, man kann Rahmen und Cockpit aber auch separat erwerben.

EliteWheels Laufräder

EliteWheels "SLR Gravel"
Die EliteWheels SLR Gravel schon mit einer Staubschicht bedeckt

Bei einem leichten Bike spielen die Laufräder eine zentrale Rolle. Hier habe ich mich für den sehr beliebten Carbon Laufradsatz von EliteWheels „SLR Gravel“ in 45mm entschieden. Die Laufräder verfügen über eine Centerlock Aufnahme für die Bremsscheiben und sind speziell für Gravel Einsätze ausgelegt. Ein Vorteil der Laufräder von Elitewheels ist der Versand aus einem Lager in Spanien. D.h. kein zusätzlicher Zoll und schneller Versand. Meine Laufräder waren innerhalb von 7 Werktagen bei mir.

Reifen: Specialized Pathfinder TLR

Bei den Reifen fiel die Wahl auf den Specialized Pathfinder TLR in 700 × 45C. Der Pathfinder ist im Gravel Bereich ziemlich beliebt, weil er zwei Eigenschaften kombiniert:

  • eine relativ glatte Mittelbahn für schnellen Rollwiderstand
  • seitliche Stollen für Grip auf Schotter und im Gelände

Für Touren mit einem höheren Asphaltanteil ist das ein ziemlich guter Kompromiss. Gefahren wird natürlich tubeless. Das spart Gewicht, reduziert Pannen und ermöglicht niedrigere Reifendrücke.

Die Schalt- und Bremsgruppe: Shimano GRX 820

Schimano GRX
Schimano GRX

Beim Antrieb wollte ich bewusst kein Experiment eingehen und habe mich deshalb für eine Shimano Gruppe entschieden. Während Rahmen und einige Komponenten aus China stammen, sollte die Schaltgruppe von einem etablierten Hersteller kommen. Auch hier gäbe es Komponenten aus Fernost die laut diverser User gute Dienste verichtet. Damit würde man nochmals 200-300 Euro einsparen können. Meine Wahl fiel auf die Shimano GRX RX820.

Mein Setup:

  • 1×12-fach Antrieb
  • präzise Schaltvorgänge
  • speziell fürs Graveln entwickelte Ergonomie
  • hohe Zuverlässigkeit
  • 42-Zähne Kettenblatt vorne
  • Kassette mit 10/51 Zähne
  • Shimano RD-RX822 Schaltwerk mit langem Käfig
  • 170 mm Kurbel

Damit ergibt sich eine sehr große Übersetzungsbandbreite, perfekt für steile Anstiege genauso wie schnelle Gravelpassagen. Eventuell werde ich vorne noch auf ein 40 Blatt wechseln, dass wird aber die weitere Nutzung des Rades zeigen.

Tretlager und Bremsanlage

Beim Innenlager habe ich mich für ein ACROS T47 Hollowtech II Innenlager entschieden. T47 hat ein paar Vorteile gegenüber klassischen Pressfit-Systemen:

  • verschraubte Lager
  • weniger Knacken
  • bessere Haltbarkeit

Gebremst wird mit den hydraulischen Shimano GRX Bremssätteln in Kombination mit Shimano RT-CL800 Bremsscheiben in 160 mm.

Die kleinen Details: Sattel, Pedale

Wie so oft stecken die spannenden Dinge im Detail. Ein besonders interessantes Teil ist der RYET 3D-gedruckte Sattel. Der Sattel bringt nur 141 Gramm auf die Waage und kostet auf AliExpress teilweise nur knapp 27 €.

RYET 3D-gedruckte Sattel.
RYET 3D-gedruckter Sattel

Zum Einsatz kommen außerdem ultraleichte Carbon Pedale mit Titan Achsen. Damit lässt sich noch einmal ein bisschen Gewicht sparen.

Kinan Carbon/Titan Pedale
Kinan Carbon/Titan Pedale

Der Aufbau: Werkzeug und Herausforderungen

Ein Fahrrad komplett aufzubauen ist mit etwas Erfahrung, Geduld und YouTube eigentlich wirklich kein Problem. Ein paar spezielle Werkzeuge braucht man dazu allerdings schon.

Bei diesem Projekt kamen unter anderem zum Einsatz:

  • Drehmomentschlüssel
  • Carbon Montagepaste
  • Fett
  • ACROS Innenlagerwerkzeug
  • Shimano Entlüftungskit mit Mineralöl
  • Kabelschneider
  • Zugwerkzeug zur Verlegung der Züge im Rahmen (jeden Cent Wert 😀)

Die größte Geduldsprobe war definitiv die interne Zugverlegung durch das integrierte Cockpit. Mit etwas Zeit und dem richtigen Werkzeug war die Verlegung tatsächlich kein Hexenwerk. Am Ende funktioniert alles gut und die Optik ist es definitiv wert.

Wer schon einmal einen Carbon Rahmen mit interner Zugverlegung aufgebaut hat, kennt das Problem: klappernde Züge im Rahmen. Eine einfache Lösung dafür sind Schaumstoff Kabelführungen. Sie kosten nur wenige Euro und verhindern, dass die Züge im Rahmen klappern.

Liste der wichtigsten Komponenten

Hier eine Übersicht der wichtigsten Komponenten mit Links und der ungefähren Preise. Die Preise auf den einschlägigen Plattformen wie Aliexpress variieren sehr stark, es lohnt sich das Warten auf besondere Aktionen oder Gutscheine durchaus. Aktuell kostet mein Rahmen derzeit 724 €, ich habe bei einem Sale 450 € bezahlt. Ich habe alle wichtigen verwendeten Bauteile verlinkt.

KomponentePreis
Airwolf YF-R003 Rahmen + Gabel + Integriertes Carbon Cockpitca. 450 € & ca. 100 € Versand und Zoll
EliteWheels SLR Gravel Carbon Laufräderca. 450 €
Shimano GRX RX820 Gruppeca. 800 €
Specialized Pathfinder TLR Reifenca. 90 €
Tubeless Ventile + Dichtmilchca. 30 €
ACROS T47 Innenlagerca. 70 €
Bremsscheibenca. 80 €
Carbon Titan Pedaleca. 40 €
Kleinteile / Kabel / Spacer / Lenkerband
ca. 40 €
RYET 3D-gedruckter Sattelca. 30 €
Gesamtpreis: etwa 2180 €

Gesamtgewicht: 8,5 kg

Aufbau eines Gravel Bikes
Aufbau eines Custom Gravel Bikes

Vergleich: Was würde ein ähnliches Marken Gravelbike kosten?

Wenn man ein Gravelbike mit ähnlichen Eckdaten sucht

  • Carbonrahmen
  • Carbonlaufräder
  • Shimano GRX 12-fach
  • Gewicht um 8 – 9 kg

landet man bei Markenherstellern schnell bei deutlich höheren Preisen:

Bike KategoriePreis
Custom China Build~2200 €
Carbon Gravelbike Mittelklasse~3.500 €
High End Gravelbike5.000 – 7.000 €

Natürlich bekommt man bei Markenherstellern einige Vorteile :

  • bessere Garantie
  • Händlernetz
  • Service

Dafür zahlt man aber auch deutlich mehr und hat weniger Spaß beim Aufbau des Bikes.

Fazit: Mein Urteil zum Custom China Gravel Build

Der Aufbau des Bikes hat mir ziemlich deutlich gezeigt, was möglich ist. Nach meinen Erfahrungen mit den Bestellungen, dem Aufbau und den ersten 300 KM würde ich es wieder so machen. Ich bin aber tatsächlich auch auf den Langzeittest besonders beim Rahmen gespannt. Wie wird das Bike sich auf Dauer schlagen? Hält alles, oder wird es irgendwo Ermüdungserscheinungen geben?

Für rund 2.200 € erhält man ein Fahrrad mit:

  • modernem Carbonrahmen
  • Carbonlaufrädern
  • moderner Shimano GRX 12-fach
  • und einem Gewicht unter 8,5 kg

Das ist bei einem klassischen Markenrad nicht denkbar, hier wären wir bei einem wahrscheinlich dreifachen Preis. Natürlich ist ein solcher Aufbau nicht für jeden geeignet. Man braucht:

  • erforderliche Zeit alle Komponenten zu bestellen
  • Zeit alles zu montieren
  • technisches Interesse
  • ein paar Spezialwerkzeuge, z.B. für die Tretlager

Fazit zum Custom Build:

Wer Spaß am Schrauben hat und sich ein solches Projekt zutraut, bekommt am Ende genau das, was ein Rad von der Stange nicht bieten: Ein individuelles Bike, mit Komponenten die man sich selbst zusammengestellt hat und das man komplett selbst aufgebaut hat. Und ganz ehrlich: Es fährt sich einfach anders, wenn man jedes einzelne Teil selbst ausgesucht und montiert hat.

Wie sich das Bike auf der ersten Bikepacking Tour über den Rennsteig und den Werratal Radweg geschlagen hat, gibt es hier zu lesen!


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